
Heizen ist der größte Einzelposten im Energieverbrauch eines Haushalts. Trotzdem laufen die meisten Anlagen genau so, wie das Fachunternehmen sie bei der Inbetriebnahme eingestellt hat – mit Standardwerten, die auf keinen Haushalt zugeschnitten sind. Das Ergebnis kennst du vielleicht: Das Wohnzimmer ist zu warm, der Heizkörper im Bad wird nie richtig heiß, und die Abrechnung fällt jedes Jahr höher aus.
Die gute Nachricht: Du brauchst dafür keine neue Anlage. Wenn du deine Heizung richtig einstellst, holst du einen erheblichen Teil des Einsparpotenzials ohne Investition heraus. Du brauchst dafür rund eine halbe Stunde, ein Thermometer und die Werte aus diesem Artikel.
Wenn du wenig Zeit hast, arbeite diese Reihenfolge ab. Jeder Schritt ist weiter unten im Detail erklärt.

Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Es gibt keine richtige Temperatur für das ganze Haus. Räume, in denen du dich lange und ruhig aufhältst, brauchen mehr Wärme als Räume, die du nur durchquerst oder in denen du schläfst.
Das Umweltbundesamt nennt für den Wohnbereich rund 20 °C als Richtwert und empfiehlt für Küche und Schlafzimmer spürbar weniger. Diese Werte haben sich als Kompromiss aus Behaglichkeit, Kosten und Bauphysik etabliert:
Die Werte sind ein Startpunkt, kein Gesetz. Dein Wärmeempfinden hängt von Alter, Aktivität und vor allem von der Oberflächentemperatur der Wände ab. In einem gut gedämmten Haus fühlen sich 20 °C wärmer an als in einem Altbau mit kalten Außenwänden – bei identischer Lufttemperatur.
Ein praktischer Hinweis für die Küche: Herd, Backofen und Kühlschrank geben so viel Abwärme ab, dass 18 °C in der Regel reichen. Anders sieht es in einer offenen Wohnküche aus – die zählt als Wohnraum und bekommt 20 °C.
Diese Faustregel taucht in fast jedem Ratgeber auf, und sie stimmt in der Größenordnung. Der Grund ist simpel: Je größer der Unterschied zwischen innen und außen, desto mehr Wärme verliert dein Haus über Wände, Fenster und Dach. Ein Grad weniger Innentemperatur verkleinert diesen Unterschied und verkürzt zusätzlich die Heizperiode am Anfang und Ende des Winters.
Was das konkret bedeutet, zeigt eine Modellrechnung auf Basis unserer Kundendaten: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 179 m² Wohnfläche kommt auf einen Wärmebedarf von rund 16.200 kWh im Jahr. Sechs Prozent davon sind knapp 1.000 kWh – bei einem Gaspreis von 0,10 €/kWh also rund 100 € pro Jahr. Für ein einziges Grad, das du im Alltag kaum bemerkst.
Wichtig ist dabei die Reihenfolge: Erst die Zieltemperatur festlegen, dann den Rest darauf abstimmen. Wer die Temperatur senkt, aber die Heizkurve unangetastet lässt, verschenkt einen großen Teil des Effekts.

Sparen hat eine physikalische Grenze, und die verläuft bei etwa 16 °C. Darunter kühlen die Innenseiten der Außenwände so weit ab, dass die Luftfeuchtigkeit dort kondensiert – und genau dort entsteht Schimmel. Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich auf dieses Risiko bei zu starken Absenkungen hin.
Deshalb gilt: Auch ungenutzte Räume und das Gästezimmer bleiben auf mindestens Stufe 2. Und halte die Türen zwischen unterschiedlich warmen Räumen am besten geschlossen. Sonst wandert warme, feuchte Luft aus dem Wohnzimmer ins kühle Schlafzimmer und schlägt sich dort an der kältesten Wand nieder.
Ergänzend zum Heizen brauchst du Luftaustausch: zwei- bis dreimal täglich für fünf bis zehn Minuten die Fenster weit öffnen, statt sie dauerhaft zu kippen.
Auf manuellen Thermostatköpfen stehen Zahlen statt Gradangaben. Das verwirrt viele – dabei steht jede Zahl für eine ziemlich präzise Zieltemperatur. Der Thermostat öffnet und schließt das Ventil so lange, bis diese Temperatur im Raum erreicht ist.
Zwischen den Zahlen findest du meist drei kleine Striche. Jeder steht für etwa ein Grad – so stellst du auch Zwischenwerte wie 17 °C oder 22 °C ein.
Damit das Ganze funktioniert, muss der Thermostatkopf die Raumluft messen können. Vorhänge, ein davor geschobenes Sofa oder eine Heizkörperverkleidung stauen die Wärme direkt am Fühler. Der Thermostat schließt dann viel zu früh das Ventil, und der Raum bleibt kalt – während die Heizung trotzdem läuft.

Fast jeder macht es: Der Raum ist kalt, also dreht man das Thermostat voll auf, damit es schneller warm wird. Das funktioniert nicht. Die Stufe legt nur fest, bis wohin geheizt wird – nicht, wie schnell. Der Heizkörper wird auf Stufe 3 genauso heiß wie auf Stufe 5, er hört auf Stufe 3 nur früher auf.
Wer auf 5 dreht und es dann vergisst, heizt den Raum auf 28 °C hoch. Das sind acht Grad über dem Richtwert – nach der Sechs-Prozent-Regel also ein erheblicher Aufschlag auf die Heizkosten dieses Raums. Stell den Thermostat direkt auf deine Wunschstufe und lass ihn dort stehen.
Wenn dir das Drehen zu fehleranfällig ist, sind programmierbare oder smarte Thermostatköpfe eine sinnvolle Nachrüstung. Sie regeln Absenkung und Aufheizen automatisch.
Das Zeitprogramm ist die am meisten unterschätzte Funktion an modernen Reglern. Es sorgt dafür, dass die Anlage automatisch in den Absenkbetrieb geht, wenn du schläfst oder außer Haus bist – und rechtzeitig vorher wieder hochfährt.
Die Menüs unterscheiden sich je nach Hersteller, das Grundprinzip ist aber bei Vaillant, Viessmann und Buderus identisch:
Als Ausgangspunkt kannst du eines dieser drei Profile übernehmen:
Ein Hinweis zu Abwesenheiten unter vier Stunden: Für einen kurzen Einkauf oder einen Termin am Nachmittag lohnt das Absenken nicht. Das Haus kühlt in dieser Zeit kaum aus, und das Wiederaufheizen frisst die Ersparnis auf.
Die Nachtabsenkung senkt die Zieltemperatur in der Nacht ab. Sinnvoll sind 4-5 Grad unter deiner Tagestemperatur – aus 20 °C werden also 15-16 °C Zieltemperatur, wobei ein gut gedämmtes Haus diese Werte über Nacht ohnehin nicht erreicht.
Zwei Zeitpunkte entscheiden über den Effekt:
Absenken heißt nicht ausschalten. Wenn ein Raum vollständig auskühlt, brauchst du am Morgen mehr Energie zum Wiederaufheizen, als du nachts gespart hast – und du riskierst Feuchtigkeit an den kalten Wandflächen.
In schlecht gedämmten Altbauten bringt die Nachtabsenkung am meisten, weil dort die Verluste in der Nacht am größten sind. Je besser die Dämmung, desto kleiner der Effekt.

Hier wird es interessant – und hier liegt der Punkt, an dem sich die meisten Ratgeber irren, weil sie aus der Gasheizungs-Ära stammen.
Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger die Vorlauftemperatur ist. Wenn du nachts stark absenkst, muss die Anlage am Morgen ein ausgekühltes Haus in kurzer Zeit wieder hochheizen. Dafür fährt sie die Vorlauftemperatur deutlich nach oben, teilweise springt sogar der Heizstab an. Genau in diesem Zeitfenster ist der Stromverbrauch am höchsten – und der Gewinn aus der Nacht ist aufgebraucht.
Der Fachbegriff dafür ist die Jahresarbeitszahl: Sie beschreibt, wie viele Kilowattstunden Wärme die Anlage aus einer Kilowattstunde Strom macht. Jede Aufheizspitze drückt diesen Wert.
Hinzu kommt das Startverhalten: Eine Wärmepumpe läuft am wirtschaftlichsten in langen, gleichmäßigen Phasen. Häufiges Ein- und Ausschalten senkt die Effizienz zusätzlich.
Besonders bei Fußbodenheizungen bringt eine Absenkung kaum etwas, weil der Estrich die Wärme ohnehin über Stunden speichert. Bei Heizkörpern in schlecht gedämmten Gebäuden kann eine leichte Absenkung von ein bis zwei Grad funktionieren. Ob sie sich in deinem Fall rechnet, klärst du am besten mit deinem Fachbetrieb, statt es auszuprobieren.
Die Heizkurve legt fest, wie heiß das Wasser ist, das bei einer bestimmten Außentemperatur zu deinen Heizflächen fließt. Ein Außenfühler misst dauerhaft, die Regelung passt die Vorlauftemperatur vorausschauend an. Damit ist die Heizkurve die zentrale Einstellung deiner Anlage – und die mit dem größten Einfluss auf die Kosten.
Zwei Werte bestimmen den Verlauf:
Ein Bild dazu: Die Neigung entscheidet, wie steil eine Rampe ansteigt. Das Niveau entscheidet, auf welcher Höhe die Rampe beginnt.
Zur Orientierung, welche Vorlauftemperaturen für welches System typisch sind:
Am niedrigsten liegen die Werte bei großflächigen Heizsystemen. Das ist der Grund, warum Wärmepumpe und Fußbodenheizung so gut zusammenpassen: Eine große Fläche gibt dieselbe Wärmemenge bei deutlich geringerer Temperatur ab.
Im Netz kursieren viele Anleitungen zum eigenhändigen Verstellen der Heizkurve. Davon raten wir ab. Die Kurve steht nicht für sich allein, sondern hängt an der Auslegung der Anlage, am hydraulischen Abgleich, an den hinterlegten Grenzwerten und am Warmwasserbetrieb. Wer nur an einem Wert dreht, verschiebt das Zusammenspiel – und merkt es oft erst Wochen später an der Abrechnung.
Sinnvoll ist eine klare Arbeitsteilung: Du beobachtest, dein Fachbetrieb ändert. So machst du deine Beobachtung belastbar:
Bleibt es nur bei Frost zu kühl, deutet das auf die Neigung hin. Ist es unabhängig vom Wetter zu kühl oder zu warm, spricht das für das Niveau. Mit dieser Vorarbeit kann dein Fachbetrieb gezielt korrigieren, statt auf Verdacht zu suchen.
Wie Neigung und Niveau im Detail zusammenspielen, welche Werte die einzelnen Hersteller wie benennen und woran du typische Fehlerbilder erkennst, liest du in unserem ausführlichen Beitrag zur Heizkurve der Wärmepumpe.
Die Einstell-Logik dreht sich mit dem Systemwechsel um. Bei Gas und Öl regelst du überwiegend am Heizkörper, bei einer Wärmepumpe überwiegend an der Zentrale.
Thermostate bleiben weit geöffnet. Was bei der Gasheizung sinnvoll war – einzelne Räume abdrehen –, stört hier. Die Wärmepumpe braucht möglichst viel offene Heizfläche, um mit niedriger Vorlauftemperatur auszukommen. Zugedrehte Ventile zwingen sie, die Temperatur anzuheben.
Die Heizkurve übernimmt die Hauptarbeit. Statt Raum für Raum nachzuregeln, wird die Kurve so ausgelegt, dass alle Räume ihre Zieltemperatur erreichen. Die Thermostate dienen dann nur noch zur Feinkorrektur einzelner Zimmer. Wie niedrig die Vorlauftemperatur dabei ausfallen kann, hängt vor allem von der Größe deiner Heizflächen ab.
Kontinuierlich statt getaktet. Eine Wärmepumpe arbeitet am effizientesten, wenn sie mit geringer Leistung durchläuft, statt häufig zu starten und zu stoppen. Jeder Start kostet Effizienz.
Was das für die laufenden Kosten bedeutet, hängt vor allem von der Arbeitszahl ab. Das Fraunhofer ISE hat 77 Wärmepumpen in bewohnten Häusern über vier Jahre vermessen und kam bei Luft-Wasser-Geräten auf Werte zwischen 2,6 und 4,9, im Mittel 3,4. Vamo-Anlagen erreichen übers Jahr 3,8. Wie sich der Verbrauch im Detail zusammensetzt, erklären wir im Artikel zum Stromverbrauch einer Wärmepumpe.
Den Teil der Optimierung, der bei einer klassischen Heizung Handarbeit ist, übernimmt bei einer modernen Anlage die Steuerung: Die Vamo App zeigt dir Verbrauch, Kosten und Raumtemperatur, prüft, ob die Wärme an den Heizkörpern ankommt, und passt die Heizkurve laufend an Außentemperatur und Strompreis an.
Deine Heizung richtig einzustellen kostet dich einen halben Nachmittag und bringt dir über die Heizperiode einen dreistelligen Betrag. Vier Zahlen solltest du dir merken: 20 °C im Wohnbereich, Stufe 3 am Thermostat für genau diese Temperatur, 16 °C als absolute Untergrenze in jedem Raum und 6 % Ersparnis pro Grad weniger.
Der größte Hebel liegt aber nicht am Thermostat, sondern an der Heizkurve. Deine Aufgabe dabei ist das genaue Hinsehen: Thermostate öffnen, zwei Wochen lang Außen- und Raumtemperatur notieren, das Muster einordnen. Die Änderung selbst gehört in fachkundige Hände, weil Heizkurve, Hydraulik und Anlagenauslegung zusammenhängen. Und wenn du ohnehin über einen Heizungstausch nachdenkst: Bei einer Wärmepumpe gelten dann andere Regeln, vor allem bei der Nachtabsenkung.
Für Wohnräume ist Stufe 3 der richtige Wert – das entspricht rund 20 °C. Küche und Schlafzimmer kommen mit Stufe 2,5 aus (etwa 17-18 °C), im Bad darfst du zur Nutzungszeit auf Stufe 3,5 bis 4 gehen. In ungenutzten Räumen bleibt Stufe 2 als Untergrenze stehen, damit die Wände nicht auskühlen.
Die kleinen Striche zwischen den Zahlen helfen dir bei Zwischenwerten: Jeder Strich steht für etwa ein Grad. Stell den Kopf einmal auf deine Wunschstufe und lass ihn dann stehen, statt mehrmals täglich nachzuregeln.
Bei einer Gas- oder Ölheizung sind 4-5 K unter der Tagestemperatur sinnvoll. Aus 20 °C Zieltemperatur werden also 15-16 °C, wobei ein durchschnittlich gedämmtes Haus diesen Wert über Nacht meist gar nicht erreicht.
Starte die Absenkung ein bis zwei Stunden vor der Nachtruhe und beende sie rund eine Stunde vor dem Aufstehen. Bei einer Wärmepumpe kehrt sich die Rechnung oft um: Das morgendliche Wiederaufheizen treibt die Vorlauftemperatur nach oben und frisst die nächtliche Einsparung häufig auf. Bei Fußbodenheizungen bringt die Absenkung kaum etwas, bei Heizkörpern in schlecht gedämmten Häusern kann ein bis zwei Grad funktionieren.
Nein. Ein vollständig ausgekühlter Raum braucht am Morgen mehr Energie zum Aufheizen, als du über Nacht gespart hast. Dazu kommt das bauphysikalische Risiko: Fällt die Temperatur unter etwa 16 °C, kondensiert Feuchtigkeit an den kalten Innenseiten der Außenwände, und Schimmel wird wahrscheinlich.
Moderates Absenken ist in fast allen Fällen die bessere Wahl. Nur bei längerer Abwesenheit von mehreren Tagen darfst du weiter runtergehen – lass das Thermostat aber mindestens auf Frostschutz stehen.
Das hängt von deinen Heizflächen ab. Eine Fußbodenheizung in einem sanierten Haus kommt bei -10 °C Außentemperatur mit rund 36 °C aus, Heizkörper in einem sanierten Gebäude brauchen etwa 46 °C, in einem unsanierten Altbau eher 53 °C.
Das Ziel ist immer dieselbe Richtung: die Vorlauftemperatur so niedrig halten, wie es der Komfort zulässt. Jedes Grad weniger verbessert die Effizienz – bei einer Wärmepumpe besonders deutlich. Die Einstellung selbst nimmt dein Fachbetrieb vor, weil sie mit Auslegung und Hydraulik zusammenhängt.
Als Faustregel gelten rund 6 % Heizenergie pro Grad. In einem Einfamilienhaus mit etwa 16.200 kWh Wärmebedarf im Jahr sind das knapp 1.000 kWh, also grob 100 € bei einem Gaspreis von 0,10 €/kWh.
Der tatsächliche Wert schwankt mit Dämmstandard und Außentemperatur: In einem schlecht gedämmten Haus fällt der Effekt größer aus als in einem Neubau. Zusätzlich verkürzt eine niedrigere Zieltemperatur die Heizperiode – im Herbst springt die Anlage später an, im Frühjahr früher aus.
Ja, und zwar deutlich. Bei einer Wärmepumpe lässt du die Thermostatventile weitgehend geöffnet und regelst die Wärme über die Heizkurve an der Zentrale. Der Grund: Je mehr Heizfläche zur Verfügung steht, desto niedriger kann die Vorlauftemperatur bleiben – und desto effizienter arbeitet die Anlage.
Zugedrehte Ventile in einzelnen Räumen bewirken das Gegenteil: Die verbleibende Fläche muss dieselbe Wärmemenge abgeben, also steigt die nötige Vorlauftemperatur. Nutze die Thermostate deshalb nur zur Feinkorrektur, etwa um das Schlafzimmer ein bis zwei Grad kühler zu halten als den Rest.
Ein Grad weniger Raumtemperatur spart rund 6 % Heizenergie – aber eine zu hoch eingestellte Vorlauftemperatur kostet dich über die gesamte Heizperiode ein Vielfaches davon. Bevor du am Thermostat drehst, lohnt sich deshalb der Blick auf die Heizkurve. Öffne alle Thermostatventile vollständig, beobachte zwei Wochen lang und lass die Kurve von deinem Fachbetrieb nachjustieren.