Technik
7 Minuten
4.11.2026

Erdwärmebohrung: Ablauf, Kosten und Genehmigung

Mit einer Erdwärmebohrung erschließt du das Erdreich als Wärmequelle für eine Sole-Wasser-Wärmepumpe. Hier erfährst du, wie die Bohrung abläuft, welche Abstände sie braucht, wer sie genehmigt und was sie kostet – und welchen Teil davon die Förderung tatsächlich abdeckt.

VAMO EXPERTEN TIPP

Frag bei deiner unteren Wasserbehörde nach, ob dein Grundstück in einem Wasserschutzgebiet liegt, bevor du Angebote von Bohrfirmen einholst. Dort erteilt die Behörde für eine Erdwärmebohrung in der Regel keine Erlaubnis. Bodengutachten und Detailplanung kannst du dir dann sparen.

Eine Erdwärmepumpe holt ihre Energie aus dem Boden. Dafür braucht sie einen Zugang zu dieser Wärme: entweder einer Sonde in der Tiefe oder mit Kollektoren knapp unter dem Rasen. Die Erdwärmebohrung ist dabei der aufwendigste, aber auch der platzsparendste Weg. Wir zeigen dir, wie tief gebohrt wird, wie viel Abstand zum Haus nötig ist, wer die Bohrung genehmigt und mit welchen Kosten du rechnen solltest.

Das Thema kurz und kompakt

  • Erdwärmebohrung: Eine zertifizierte Bohrfirma bringt eine Erdsonde senkrecht in den Boden, üblich sind 50 bis 150 Meter. Darin zirkuliert Sole, die Wärme für die Sole-Wasser-Wärmepumpe aufnimmt.
  • Alternativen: Flächenkollektoren liegen nur rund 1,5 Meter tief, brauchen dafür aber eine große, freie Gartenfläche. Ringgrabenkollektoren kommen mit weniger Fläche aus.
  • Kosten: Die Bohrung kostet ca. 10.000-15.000 € zusätzlich zur Wärmepumpe.
  • Genehmigung: Zuständig ist die untere Wasserbehörde, ab 100 Metern Tiefe zusätzlich die Bergbehörde.
  • Abstände: Zur Grundstücksgrenze sind fünf Meter üblich, zwischen zwei tiefen Sonden mindestens sechs Meter.
  • Förderung: Die Bohrung ist förderfähig, liegt wegen der Kostendeckelung bei 28.000 € aber rechnerisch außerhalb des Zuschusses.

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Erdsonde, Flächenkollektor oder Ringgraben: Welche Erschließung passt zu deinem Grundstück?

Alle drei Varianten versorgen eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdwärme. Sie unterscheiden sich darin, wie tief sie reichen, wie viel Fläche sie belegen und wie aufwendig die Genehmigung ausfällt.

Erdsonde (Tiefenbohrung): Die Sonde reicht senkrecht in die Tiefe. Dort hält das Erdreich das ganze Jahr über eine Temperatur zwischen 8 °C und 12 °C. An der Oberfläche braucht sie kaum Platz und passt deshalb auch auf kleinere Grundstücke. Dafür ist sie die teuerste Erschließung und braucht immer eine wasserrechtliche Erlaubnis.

Flächenkollektor: Kunststoffrohre liegen wie eine Fußbodenheizung in etwa 1,5 Metern Tiefe unter dem Rasen. Eine Bohrung entfällt, dafür brauchst du eine freie Fläche, die etwa doppelt so groß ist wie die zu beheizende Wohnfläche. Diese Fläche darfst du später weder überbauen noch versiegeln.

Ringgrabenkollektor: Ein Bagger verlegt die Rohre in einem Graben, der um das Haus oder in einer Schleife über das Grundstück läuft. Das braucht weniger zusammenhängende Fläche als ein Flächenkollektor und kommt ohne Bohrgerät aus. Am einfachsten lässt sich das im Neubau umsetzen, wenn für den Aushub ohnehin ein Bagger vor Ort steht.

Ist dein Garten bereits angelegt und eher klein, bleibt im Bestand praktisch nur die Erdsonde. Oder eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die ganz ohne Erschließung im Boden auskommt.

Infografik: Erschließungsarten der Erdwärmepumpe

Erdwärmebohrung: Ablauf und Tiefe

Wie tief gebohrt wird, hängt von der Heizlast deines Hauses und vom Untergrund ab. Üblich sind 50 bis 150 Meter. Als Faustregel teilt Buderus in seinem Ratgeber zur Erdwärmebohrung die benötigte Heizleistung durch die Entzugsleistung des Bodens: Bei 5 kW und 60 Watt je Meter ergibt das rund 83 Meter Sonde. Feuchte Böden geben dabei mehr Wärme ab als trockener Sand oder Kies. Die genaue Länge legt die Planung deshalb nach der VDI-Richtlinie 4640 anhand des erwarteten Schichtenprofils fest, so beschreibt es das Merkblatt des Bayerischen Landesamts für Umwelt zu Erdwärmesonden. Reicht eine Bohrung nicht aus, verteilt die Bohrfirma die nötige Länge auf zwei oder mehr Sonden.

So läuft eine Erdwärmebohrung ab:

  1. Vorbereitung: Die Bohrfirma liefert Bohrgerät und Sonde an. Dafür muss die Zufahrt frei sein und die Baustelle gesichert.
  2. Bohren: Das Team bohrt bis zur geplanten Tiefe, fängt den Bohrschlamm auf und entsorgt ihn fachgerecht.
  3. Sonde einbauen: Das Team lässt das vorgefertigte Sondenrohr in einem Stück ins Bohrloch ab, beschwert mit einem Gewicht am Sondenfuß.
  4. Verpressen: Eine Zement-Bentonit-Suspension füllt das Bohrloch von unten nach oben. Sie dichtet die Grundwasserschichten ab und sorgt für einen guten Wärmeübergang.
  5. Druckprüfung: Die Bohrfirma prüft die Sondenkreise auf Dichtheit und Durchfluss und dokumentiert das Ergebnis.
  6. Anschluss: Zum Schluss verbindet ein Fachbetrieb die Soleleitungen mit der Wärmepumpe im Haus und befüllt den Kreislauf mit Sole.

Für die Bohrarbeiten selbst nennt Buderus eine Projektzeit von wenigen Tagen. Bohren darf nur ein qualifiziertes Unternehmen, Buderus verweist dafür auf die Zertifizierung nach DVGW W 120. Mehr Zeit als die Bohrung selbst nimmt die Vorbereitung mit Erlaubnis und Bohranzeigen in Anspruch.

Abstand zum Haus und Platzbedarf

Für den Abstand zum eigenen Haus nennen die Leitfäden der Landesbehörden keinen einheitlichen Meterwert. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie empfiehlt lediglich, mit Bohrungen ausreichend Abstand zu Gebäuden zu halten. Den konkreten Wert legt die Bohrfirma anhand von Fundament, Keller und Leitungen fest. Zu Trinkwasser-, Abwasser- und anderen Versorgungsleitungen sieht die VDI 4640 mindestens 0,7 Meter vor.

Feste Richtwerte gibt es dagegen für die Abstände zur Grundstücksgrenze und zu anderen Sonden. Sie sollen verhindern, dass sich Anlagen gegenseitig auskühlen:

AbstandRichtwertGrundlage
Erdsonde zur Grundstücksgrenzemind. 3 m, Behörden fordern meist 5 mVDI 4640, Erlaubnispraxis der Länder
Zwischen zwei Sonden (über 50 m tief)mind. 6 mVDI 4640 Blatt 2
Zur Sonde auf dem Nachbargrundstück10 mErlaubnispraxis der Länder
Zu Ver- und Entsorgungsleitungen0,7 mVDI 4640

Je nach Bundesland und Behörde können die Werte abweichen. Für Flächenkollektoren nennt das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in einem Fachvortrag zur Erdwärmenutzung mindestens ein bis zwei Meter Abstand zum Gebäude, Bäume und Überbauung haben auf der Kollektorfläche nichts zu suchen.

Beim Platzbedarf liegt die Erdsonde klar vorn: Buderus rechnet mit etwa 50 m² freier Fläche. Dazu kommt die Zufahrt für das Bohrgerät, die du bei engen Einfahrten oder Gärten hinter dem Haus vorab prüfen solltest.

Altbau Einfamilienhaus mit Vorgarten

Genehmigung: Wer genehmigt die Erdwärmebohrung?

Die Erdwärmebohrung genehmigt die untere Wasserbehörde deines Kreises oder deiner kreisfreien Stadt. Die Erlaubnis dient dem Schutz des Grundwassers, durch dessen Schichten die Sonde führt. In Wasserschutzgebieten erteilt die Behörde sie in der Regel nicht, in anderen Lagen hängt die Entscheidung von Geologie und Bohrtiefe ab. Verlässlich klärt das erst die Behörde, nachdem sie dein Grundstück geprüft hat.

Ab 100 Metern Tiefe greift zusätzlich das Bergrecht. Nach § 127 Bundesberggesetz gehört dann eine Anzeige bei der Bergbehörde dazu, mindestens zwei Wochen vor Beginn der Bohrarbeiten. Für Erdwärmebohrungen bis 400 Meter prüft die Behörde die Unterlagen innerhalb von vier Wochen. Meldet sie sich in dieser Frist nicht, brauchst du keinen bergrechtlichen Betriebsplan. Daneben ist jede Bohrung beim geologischen Dienst deines Bundeslands anzuzeigen.

Um Anträge und Anzeigen kümmert sich nach Angaben von Buderus der beauftragte Fachbetrieb. Bis die Erlaubnis vorliegt, können trotzdem Monate vergehen.

Für Flächen- und Ringgrabenkollektoren ist das Verfahren schlanker, weil sie nicht in die Tiefe reichen. In Niedersachsen etwa zeigst du alle Erdwärmekollektoren online bei der unteren Wasserbehörde an, so ein Erfahrungsbericht des LBEG.

Was kostet eine Erdwärmebohrung?

Die Erschließung per Tiefenbohrung kostet ca. 10.000-15.000 €, je nach Bodenbeschaffenheit und Tiefe. Sie kommt zu den Kosten für Gerät und Installation hinzu:

KostenpositionErdwärmepumpe mit Tiefenbohrung
Wärmepumpe (Gerät)ca. 12.000-18.000 €
Erschließung (Bohrung)ca. 10.000-15.000 €
Installation und Zubehörca. 5.000-10.000 €
Gesamtca. 30.000-45.000 €

Was eine Tiefenbohrung teurer oder günstiger macht, sind vor allem die Bohrmeter, der Untergrund und die Zufahrt. Steiniger Untergrund macht die Bohrarbeiten aufwendiger, und wo schweres Gerät durch den Garten muss, kommen Kosten für die Wiederherstellung hinzu.

Bei Flächen- und Ringgrabenkollektoren ersetzt der Bagger das Bohrgerät, die Erschließung fällt dadurch günstiger aus. Wie viel du sparst, hängt davon ab, wie viel Fläche umgegraben wird und ob du den Garten danach neu anlegst.

Im Betrieb holt die Erdwärmepumpe ihre Mehrkosten nur zum Teil herein. Das Fraunhofer ISE hat 77 Wärmepumpen im Gebäudebestand vermessen: Erdgekoppelte Anlagen erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 4,3, Luft-Wasser-Anlagen 3,4. Bei einem angenommenen Wärmebedarf von 16.200 kWh im Jahr und 0,30 €/kWh Strom spart die Erdwärmepumpe damit rund 300 € pro Jahr. Über 20 Jahre sind das etwa 6.000 € und damit weniger als die Bohrung kostet.

Frau am Tisch vor dem Laptop, Tasse und Notizblock liegen daneben

Wird die Erdwärmebohrung gefördert?

Ein eigenes Förderprogramm für die Bohrung gibt es nicht. Sie zählt zu den förderfähigen Kosten der Wärmepumpe in der KfW-Heizungsförderung für Privatpersonen (458). Seit dem 21.07.2026 erkennt die KfW für die erste Wohneinheit aber höchstens 28.000 € an. Bei einem Projekt für 38.000 € bleiben also 10.000 € von vornherein unberücksichtigt, die Bohrung liegt rechnerisch komplett außerhalb der Förderung.

Auf die förderfähigen Kosten gibt es 30 % Grundförderung, 16 % Klimageschwindigkeitsbonus beim Austausch einer alten fossilen Heizung und für Selbstnutzende je nach Einkommen bis zu 40 % Einkommensbonus. Zusammen sind höchstens 70 % möglich, bei niedrigem Haushaltseinkommen 80 %. Den früheren Effizienzbonus von fünf Prozentpunkten für Erdreich als Wärmequelle gibt es nicht mehr. Erdwärme und Luft-Wasser erhalten seitdem denselben Fördersatz.

Ab dem 01.02.2027 sinkt der Förderhöchstbetrag auf 27.250 € und der Klimageschwindigkeitsbonus auf 12 %, danach halbjährlich weiter. Geplant, aber noch nicht beschlossen ist eine Aufteilung der Grundförderung: Voraussichtlich ab dem 01.01.2027 gäbe es für außerhalb der EU gefertigte Wärmepumpen nur noch 15 %, EU-gefertigte Modelle blieben über einen Wertschöpfungsbonus bei 30 %. Den aktuellen Stand und deinen voraussichtlichen Zuschuss findest du in unserer Übersicht zur Wärmepumpen-Förderung (Stand der Angaben: November 2026).

Fazit zur Erdwärmebohrung

Eine Erdwärmebohrung erschließt eine konstante Wärmequelle auf kleiner Fläche. Dafür brauchst du eine wasserrechtliche Erlaubnis, ausreichend Abstand zu Grenze und Nachbarsonden und ein Budget von ca. 10.000-15.000 € allein für die Erschließung, das die Förderung wegen der Deckelung praktisch nicht mitträgt. Sinnvoll ist sie vor allem dort, wo das Grundstück genehmigungsfähig ist und du die Mehrkosten bewusst für die höhere Effizienz in Kauf nimmst.

Im Bestand holt der Effizienzvorsprung die Bohrung über die Lebensdauer des Geräts nicht wieder herein. Eine gut ausgelegte Luft-Wasser-Wärmepumpe kommt ohne Bohrung, Behördenverfahren und umgegrabenen Garten aus. Darauf haben wir uns bei Vamo spezialisiert: Wie der Umstieg bei dir aussehen kann, zeigen wir dir auf unserer Seite zur Wärmepumpe für dein Haus.

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FAQ

Wie lange hält eine Erdwärmebohrung?

Die Bohrung und die darin verpresste Sonde halten über 50 Jahre. Die Wärmepumpe selbst erreicht wie andere Heizsysteme etwa 15 bis 20 Jahre. Tauschst du das Gerät, bleibt die Sonde im Boden und versorgt die neue Wärmepumpe weiter. Voraussetzung für die lange Lebensdauer sind eine sorgfältige Verpressung und eine Auslegung, die den Untergrund im Betrieb nicht übermäßig auskühlt.

Welche Voraussetzungen braucht eine Sole-Wasser-Wärmepumpe?

Zuerst muss dein Grundstück mitspielen: Die Bohrung braucht eine Erlaubnis, der Boden muss genug Wärme liefern, und Bohrgerät oder Bagger müssen bis zur Bohrstelle kommen. Für einen Kollektor brauchst du zusätzlich eine große, unversiegelte Fläche. Im Haus selbst gelten dieselben Bedingungen wie für jede Wärmepumpe: niedrige Vorlauftemperaturen, ausreichend große Heizflächen und eine Heizlastberechnung, auf deren Grundlage Gerät und Sonde ausgelegt werden. Welche Kriterien dein Haus im Einzelnen erfüllen sollte, liest du in unserer Checkliste zu den Voraussetzungen für eine Wärmepumpe.

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